4. Lerner müssen ihr Verständnis der gesprochenen Sprache nach jedem kurzen Sprachsegment vergleichen und testen. "Das Programm muß dafür sorgen, daß die Reaktionen des Lernenden und sein Verständnis nach jedem kurzen Abschnitt sofort verifiziert werden können." (Postovsky, Seite 176, The Comprehension Approach)

5. Lernen, welches vorwiegend auf Hörverstehen basiert, ist bedeutend schneller als konventionelles Lernen. "Schüler übertrafen nach nur 32 Stunden Probanden mit 150 Stunden herkömmlichen Deutschunterrichtes." (Krashen und Terrell, Seite 37, The Natural Approach) "Nach nur 45 Stunden Unterricht erzielten die Schüler im Durchschnitt die gleichen Leistungen wie diejenigen mit 200 Stunden Unterricht." (Winitz, Seite 122, The Comprehension Approach)

6. Lernen durch Leseverstehen ermöglicht eine deutlich höhere Merkfähigkeit. "Es war erstaunlich, daß die Soldaten das Gelernte noch nach zehn Tagen behalten hatten." (Winitz, Seite 129, The Comprehension Approach)

7. "Fließend sprechen in einer Fremdsprache entsteht auf natürliche Weise, nachdem das Hörverstehen genügend entwickelt ist. Fließend Sprechen in einer Zweitsprache kann nicht direkt erlernt werden. Vielmehr entsteht die Fähigkeit, fließend und mühelos in einer Fremdsprache zu reden, von selbst, nachdem der Lerner eine entsprechende Kompetenz durch Hören erworben hat." (Krashen und Terrell, Seite 20, The Natural Approach) "Linguistische Kompetenz wird erleichtert, wenn Training in Sprachproduktion erst dann angewendet wird, nachdem ein umfangreiches Hörverstehen entwickelt worden ist." (Postovsky, Seite 181, The Comprehensive Approach.)

Bibliographie

The Comprehension Approach to Foreign Language Instruction (Newbury House Publishers, 1981). Harris Winitz (Redakteur), Professor für Sprachwissenschaft und Psychologie, University of Missouri, Kansas City. Simon Belasco, Professor für französische Linguistik, University of South Carolina. James J. Asher, Professor für Psychologie, University of California, San Jose. Valarian A. Postovsky, früherer Direktor für slawische Sprachen am Defence Language Institute, Monterey, Kalifornien.

The Natural Approach: Language Acquisition in the Classroom (Alemany Press, Regents/Prentice Hall). Stephen D. Krashen, Professor für Erziehungswissenschaften, University of South California. Tracy D. Terrell, Professorin für Linguistik, University of California, Irvine.

The Rosetta Stone aus linguistischer Sicht Von Dr. Nancy Hottel-Burkhart

Ich habe "The Rosetta Stone" während der Entwicklungsphase untersucht. Es handelt sich um ein visuell ansprechendes, linguistisch umfassendes und pädagogisch sinnvolles Programm. Es ist ein ausgezeichnetes Medium für einen umfassenden Ansatz des Fremdsprachenlernens. Das Programm stellt Schülern und Studenten verschiedene Werkzeuge sowohl für den individuellen als auch für den kooperativen Spracherwerb zur Verfügung. Das Programm simuliert genau den Prozess, den Sprachschüler bewältigen, wenn sie Entscheidungen und Unterscheidungen in einer natürlichen Fremdsprachenumgebung treffen müssen. Dabei kompensiert es die Schwächen, die ein Sprachlernprozess in einer völlig natürlichen und undifferenzierten Umgebung beinhaltet, wenn keine Schwerpunkte gesetzt werden, und Rückmeldung und konkrete Lernhilfen fehlen. Einer der Kritikpunkte des natürlichen Spracherwerbs ist die weitgehend unregulierte Sprachaufnahme (z.B. bei einer Konversation auf der Straße), die eine nur unzureichende Möglichkeit für ein systematisches Lernen zuläßt. In diesem Zusammenhang gibt The Rosetta Stone dem Lernenden den notwendigen Hintergrund für ein umfassendes und systematisches Verständnis durch ein reichhaltiges semantisches Feld (hunderte von echten Alltagssituationen) und die Stimmen von Muttersprachlern. Viel wichtiger noch ist die Tatsache, daß dieses Programm genau das Problem beseitigt, das beim natürlichen Spracherwerb immer wieder auftritt: Die Bereitstellung von strukturierten Redemitteln, die sich nur auf das konzentrieren, was semantisch wichtig ist, um von Beginn an wesentliche Unterscheidungen in einer Sprache zu illustrieren.

Die Syntax ist eine Verständnissyntax, die solche semantischen Unterscheidungen fordert, die von Sprachschüler in einer natürlichen Sprachumgebung verlangt werden: Die Syntax basiert auf Inhalten, mit denen Sprachschüler auch in der Praxis konfrontiert werden und nicht auf einem linguistischen Fundus von morphologischen Variationen und seltenen grammatikalischen Phänomenen. Das Programm präsentiert elementare Worte zuerst: Mädchen, Junge, Stuhl, Katze, Hund, blau, grün, rot und schwarz; wie es auch im Anfangsstadium des Fremdsprachenerwerbs notwendigerweise erwartet wird. Der Wortschatz ist sehr umfassend und stellt eine stabile Basis für alle Lebensbereiche dar. Die Auswahl des Sprachmaterials wurde sehr sorgfältig abgestimmt und erscheint dem Lernenden sehr natürlich. Es wird immer nur eine semantische Unterscheidung gleichzeitig eingeführt und jede neue Redewendung ist vollständig kontextualisiert, sowohl kulturell als auch linguistisch. Farbige Fotos werden zusammen mit gesprochener oder geschriebener Sprache präsentiert. Die Darstellung von Unterschieden ist vorhersehbar und kulturell angemessen. Der Kursaufbau ermöglicht außerdem einen Ausbau des bereits vorgestellten Materials. Auf diese Weise wird das alte Material immer wieder benutzt, während gleichzeitig ein linguistischer Kontext für neue Erkenntnisse zur Verfügung gestellt wird.

Das Programm funktioniert ausschließlich in der Zielsprache und verzichtet vollständig auf die Muttersprache des Lernenden. Programmanweisungen erscheinen auf dem Bildschirm als visuelle Symbole und nonverbale Erklärungen. Das visuelle Material ist ansprechend und authentisch.

Lernende jeden Alters können sich leicht mit den vorgestellten Menschen und Situationen identifizieren. Die Zusammensetzung des Bildmaterials ist sehr einfallsreich, oft ein wenig humorvoll und immer menschlich durchdacht. The Rosetta Stone ist auch deshalb sehr leicht zu benutzen, weil es einfach Spaß macht, mit Tausenden von sinnvoll angeordneten und wohldurchdachten Abbildungen zu arbeiten. Der Aufforderungscharakter des Mediums sorgt außerdem für eine überdurchschnittliche Motivation.

Der reichhaltige linguistische und visuelle Kontext des Programms und sein sorgfältig abgestufter und integrierter Lehrplan erlauben dem Benutzer ein sehr schnelles Erkennen von semantischen und syntaktischen Unterscheidungen. Das Sprachmaterial wird gleichzeitig in bis zu drei verschiedenen Formen präsentiert: Visuelle Abbildungen sowie gesprochene und/oder geschriebene Sprache. Auf diese Weise können Anwender mehrdimensional mit zwölf verschiedenen Übungsformen arbeiten. Es gibt keinen einzigen Punkt in dem Programm, an dem der Benutzer mit semantischen Unterscheidungen konfrontiert wird, die er vorher nicht gelernt hat. Der Lernende selbst kontrolliert den Umfang von Lernhilfen und kann jederzeit eine der 12 Übungsformen gegen eine andere austauschen. Ständig müssen Entscheidungen getroffen werden, aber keine Aufgabe ist so schwierig, daß ihre Lösung nicht über eine vorhergehende Übung erschlossen, überprüft oder erinnert werden kann.

Das Programm imitiert die Strategien, die bei guten Sprachlernenden in natürlichen Umgebungen beobachtet wurden. Schritt für Schritt nach bestimmten Dingen fragen und seine Sprache entsprechend anzupassen, ist eine natürliche Strategie für erfolgreiches Fremdsprachenlernen. In diesem Programm wird der Lernende aufgefordert, eine Abbildung und deren sprachliche Bedeutung zu erkennen. The Rosetta Stone erlaubt verschiedene Reaktionsmöglichkeiten: Das Wort kann wiederholt werden oder die Schreibweise kann zur Unterstützung herangezogen werden (wenn man die Schreibweise erlernt, kann das gesprochene Wort unterstützen), oder man verlässt das Programm und greift zum Lexikon, um die Bedeutung des Wortes nachzuschlagen, bevor man antwortet.

Wenn auf dem Bildschirm lediglich eine Abbildung mit vier verschiedenen Bedeutungen erscheint, kann der Anwender die Reihenfolge der Möglichkeiten selbst bestimmen, er kann alle vier Wörter gleichzeitig oder nacheinander wählen (jeweils mit unendlich vielen Wiederholungen) und, bevor er seine endgültige Entscheidung trifft, auf diese Weise Bedeutungen ausschließen, von denen er weiß, daß sie nicht passen. Diese Art von Klärung und Bestätigung ist exakt die Strategie, die ein Lernender in einer natürlichen Umgebung anwenden würde, vorausgesetzt er hat die Zeit und die notwendigen Hilfsmittel. Es sei denn, jemand verfährt nach dem Motto "Versuch und Irrtum" und hofft darauf, jedesmal korrigiert zu werden. In diesem Programm wird der Lernende im Gegensatz zu einer natürlichen Umgebung sofort korrigiert.

The Rosetta Stone reproduziert also natürliches Fremdsprachenlernen in einer kontrollierten Umgebung: Die Bedeutung ist immer abrufbar, Sprache ist sehr genau abgestimmt und der Druck der verbalen Artikulation, wie etwa in einem Klassenraum, ist genommen. Die ständige Aufforderung nach Unterscheidungen bleibt aber intakt. Der Wunsch "Bitte Wiederholen" ist dauernd verfügbar und Rückmeldungen auf die Entdeckungen und Entscheidungen des Lernenden sind unmittelbar, sanft und vergebend. Die Bewertung einer Lernleistung nach Punkten kann abgeschaltet werden. Der Benutzer kontrolliert jeden Lernschritt und lernt nach seinem eigenen Tempo. Forschungsergebnisse, mit denen Sprachwissenschaftler vertraut sind (Terrell 1977 und Winitz 1981) haben ergeben, daß gründliche und umfassende Konfrontation mit leicht verständlicher Sprache sowohl die Entwicklung von Sprechen, Schreiben und Lesen als auch das Hörverstehen erleichtern. The Rosetta Stone ist zunächst auf das Hörverstehen ausgelegt, erlaubt aber auch ein mehrdimensionalen Ansatz des Fremdsprachenlernens, der für eine Entwicklung zur fließenden Beherrschung einer neuen Sprache als sehr bedeutsam angesehen wird (siehe Swain, 1985). Das Sprachmaterial und die zwölf verschiedenen Übungsformen fördern die Entwicklung von individuellen Sprachfähigkeiten und -fertigkeiten. Das Programm ermöglicht außerdem eigene Sprachaufnahmen, die den Lernenden zu eigener Sprachproduktion ermutigen.

The Rosetta Stone integriert die Technologie in die Bedürfnisse des Fremdsprachenlernens und nicht umgekehrt. Mit diesem Programm steht Sprachlehrern nun eine Methode zur Verfügung, die das Lernen einer Fremdsprache tatsächlich unterstützt. Anwender müssen keine Zeit mit einem Programm vergeuden, das lediglich einige sparsame Redewendungen vermittelt und dann möglicherweise auch noch Teil eines Computerspiels ist. Dieses Programm ist außerdem ein exzellentes Hilfsmittel für die Sprachforschung. Lernstrategien, Anzahl von Wiederholungen, Häufigkeit von verschiedenen Übungsformen und Transferleistungen können mit diesem Programm sehr leicht erfaßt und ausgewertet werden. Ich empfehle die Sprachbibliothek The Rosetta Stone der Firma Fairfield Language Technologies und freue mich darauf, die Weiterentwicklung des Programms zu besprechen.

Dr. Nancy Hottel-Burkhart lehrt und forscht an der University of Texas im Fachgebiet für angewandte Lingusitik und Fremdsprachen. Zudem hat sie einen Lehrauftrag für Methodik und Psychologie des Fremdspachenlernens im Bereich Englisch als Fremdsprache an der Amerikanischen Universität in Kairo.

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